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  Hanne Nagel-Axelsen
50 Jahre Malerei
Juni 2012

Bei einem Blick zurück auf 50 Jahre Malerei liegt es nahe, einmal verschiedene Stationen und Entwicklungsschritte Revue passieren zu lassen.

An der H.f.b.K. Hamburg galt es Anfang der 60er Jahre, zunächst die handwerklichen Grundlagen zu erwerben. Auf der Basis der heute kaum noch angesagten Stilleben-Studien konnten wir viele maltechnische Varianten erproben und hielten uns dabei weitgehend an die Maler der klassischen Moderne. Das Stilleben, das ich ja völlig nach meinen persönlichen Vorlieben und Farbgefühl zusammenstellen konnte, war besonders geeignet, Kompositions- und Abstraktionserfahrungen zu sammeln. Auch die unterschiedlichen Auffassungen des Stillebens im Laufe der kunsthistorischen Entwicklung gab Aufschluß über den geistigen Hintergrund jeder Epoche.

Welch gewaltiger Unterschied zwischen dem Motiv üppiger Tafelfreunden der alten Niederländer und den poveren Anordnungen des Morandi – beides hervorragende Beispiele von Malerei.

Nach dem „Wie male ich“ kommt das „Was“. Zur Entwicklung einer eigenständigen und authentischen Konzeption scheint mir unerläßlich, ganz auf die eigene Stimme und Betroffenheit zu hören. Ein Schielen nach modischen Trends der Kunstmarktkunst wäre nicht glaubhaft.

Meine ganz besondere Liebe zu Tieren zeigte sich schon bald als das geeignete Motiv, meine malerischen Lüste auszuleben und meine bescheidenen Botschaften auszusenden. Dabei erwies sich das prozeßhafte Arbeiten - eine besondere Errungenschaft der modernen Malerei - für mich als wegweisend. Farben

spontan auf der Leinwand zu verteilen, sie mit selbst angerührten Farbmassen zu verdicken, mit Fundstücken wie Stoffen, Holzfragmenten u.ä. in Spannung zu versetzen, das setzte meine Phantasie in Gang.

Ich entdeckte in den mein Auge anregenden Farbschlieren und Materialstrukturen Tierfiguren und Fabelwesen, die mich fast von selbst zu einer Bildordnung geleiteten. So ließ ich den Zufall für mich arbeiten, packte ihn aber in der 2. Phase der Bildgestaltung beim Schopf, um ihn mit bildnerischer Intelligenz zu bändigen und zu einem schlüssigen Stück Malerei zu machen.

Meine Tiere sind heiter, komisch, manchmal auch bedrohlich und agressiv. Oft werden sie selbst bedroht und geben mir die Möglichkeit meinen Empfindungen und tiefer Sympathie für das Kreatürliche Ausdruck zu verleihen.

Mir ist bewußt, daß meine Fabelwesen, die nicht realistisches Abbild sondern erfundene Geschöpfe sein wollen in der Tradition der nordischen Kunst stehen. So tauchen auf den Bildern der Gruppe Cobra Trolle und Phantasiegestalten in expressiver Malerei auf und werden zum Träger einer höchst präsenten Farbigkeit.

Mir gefällt die Charakterisierung, daß die nordische Kunst zu diffuser Farbbehandlung und Formauflösung tendiert, während die südeuropäische die klare konturierte Formgebung bevorzugt.

Kein Zweifel, daß das Klima und das Licht hierbei eine bedeutende Rolle spielt.

Gestern fand ich in toscanischer Landschaft eine der selten gewordenen Schildkröten. Dieses archaische Wesen ist in seinem markanten Körperbau so inspirierend, daß es mich spontan zu meinem nächsten Bildmotiv anregte. Rote toscanische Erde mit Leim gebunden, Fragmente eines angekogelten Jutesacks, darüber mit Leinöl versetzte Farbpigmente sollen der Nährboden für mein nächstes malerisches Abenteuer werden.